Eine Platte zwischen Tiefseegraben und Backarc-Becken
Die Marianen-Platte ist eine kleine ozeanische Platte mit rund 421.000 Quadratkilometern, also 0,08 % der Erdoberfläche. Sie ist ein schmaler Streifen, der den Inselbogen der Marianen trägt, darunter ganz Guam und die Nördlichen Marianen.
Die Platte existiert, weil sich der Marianenbogen von der Philippinischen Platte abgespalten hat. Zwischen beiden liegt der Marianentrog, ein Backarc-Becken, in dem neuer Meeresboden entsteht. Während sich der Trog weitet, wandern der Inselbogen und seine Platte nach Osten auf den Graben zu. Viele einfachere Karten rechnen diesen Streifen noch zur Philippinischen Platte, das Modell PB2002 führt ihn jedoch als eigene Platte.
Was an ihren Rändern geschieht
Den Ostrand bildet der Marianengraben, wo die Pazifische Platte nach Westen unter die Marianen-Platte abtaucht. Diese 1867 km lange Grenze bewegt sich mit etwa 4,9–7,7 cm pro Jahr. Nahe der Südwestecke der Platte liegt das Challengertief, mit fast 11 km unter dem Meeresspiegel der tiefste bekannte Punkt der Ozeane. Die pazifische Kruste ist hier einer der ältesten Meeresböden der Erde und sinkt beinahe senkrecht in den Mantel.
Den Westrand bildet die 1682 km lange Grenze zur Philippinischen Platte entlang des Marianentrogs. PB2002 stuft den größten Teil davon als ozeanischen Spreizungsrücken ein, mit Transformversätzen und einem kurzen Riftabschnitt. Die Spreizungsrate liegt zwischen etwa 0,9 und 5,6 cm pro Jahr.
Erdbeben und Vulkane
Der Datensatz verzeichnet seit 1900 auf der Platte 43 Erdbeben der Magnitude 6,5 oder stärker, keines davon mit Magnitude 8. Das stärkste ist das Guam-Erdbeben von 1993 (M7.8), dessen Herd südlich der Insel in etwa 59 km Tiefe lag. Weitere sind das Marianen-Erdbeben von 1940 (M7.7) und das Pagan-Erdbeben von 2016 (M7.7) in etwa 196 km Tiefe, also innerhalb der abtauchenden pazifischen Platte. Große Erdbeben an den Marianen fallen meist schwächer aus als in Japan oder Chile. Geologen führen das auf die schwache Kopplung der Platten in dieser steilen, alten Subduktionszone zurück.
Auf der Platte liegen 26 Vulkane aus dem Datensatz. Anatahan hatte 2003 seinen ersten dokumentierten Ausbruch, Pagan brach 1981 heftig aus. Viele andere liegen unter Wasser, etwa NW Rota-1 und Ahyi, dazu kommen aktive Schlote am Spreizungszentrum des Marianentrogs.